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Mallorca

Mallorca zwischen traum und Trauma

Kein Zweifel: Mallorca polarisiert. Ballermann und Putzfraueninsel versus Golfer-Paradies und Finca-Residenzen. Alle wollen ein Stück von der Insel: die Touristen, die Residenten und nicht zuletzt die Mallorquiner selbst. Gegensätzliche Interessen und Bedürfnisse sind kaum mehr unter einen Hut zu bringen. Mallorca steht vor dem Burnout. Allgegenwärtige Korruption in Wirtschaft und Politik verschlimmern die Situation zusätzlich. Natur- und Tierschutz rücken ebenfalls nur langsam in den Focus.
Mit beispielhaften Randnotizen und Anekdoten werden in diesem Band Probleme aus Mallorcas Alltag angeschnitten. Teil 2 befindet sich in Arbeit.

Mallorca zwischen Traum und Trauma
Satirische Randnotizen (Teil 1)
Autor: Martin Joachim
Taschenbuch, 80 Seiten, 35 Fotos, 9,90 Euro
Bod-Verlag Norderstedt, 2013, ISBN: 978-3-7322-4170-5
Überall im Buchhandel oder online z.B. bei amazon.de (auch als E-Book)

Textauszüge:

Kapitel Tierwelt

Hähne halten sich nicht an Ruhezeiten


Viele Bauern und Kleinlandwirte halten Hühner und Hähne für den Eigenbedarf. Deren Schicksal ist nach erfolgreichem Eierlegen des weiblichen Federviehs bzw. nach erfolglosen Zeugungsversuchen der Machos ebenfalls besiegelt. Das muss dich nicht weiter kümmern. Hast du deine Ferien allerdings auf einer an sich ruhig gelegenen Finca gebucht, solltest du darauf vorbereitet sein, dass sich die mallorquinischen Hähne mit ihrem „Kikeriki“ nicht an vorgeschriebene Zeiten halten. Ihre Weckrufe beschränken sich keinesfalls auf die frühen Morgenstunden. Sie krähen eigentlich die ganze Nacht hindurch, besonders laut aber dann, wenn du gerade eingeschlafen bist.

Das ist für dich eine willkommene Gelegenheit, dem lauten Bellen, Heulen und Jammern der Kettenhunde zu lauschen, die wegen des „Kikeriki“ oder aus irgendeinem anderen unerfindlichen Grund immer mal wieder auf sich aufmerksam machen. Die Hunde auf den Nachbargrundstücken und deren Nachbargrundstücken usw. wollen da nicht zurück stehen und stimmen in das Konzert ein. Die Hundebesitzer selbst scheinen sich an dem Lärm nicht zu stören und schlafen fest – du nicht!

Kapitel Polizei/Verkehr

Im Bild: die "harmlosere" Policia Local


Als besonders hart gelten die Beamten der Guardia Civil. Vermuten sie, dass du gerade einen illegalen Einwanderer im Kofferraum beförderst, die Ernte deiner Marihuana-Plantage nach Hause fährst oder deine Nase etwas zu schief sitzt, bist du dran. Anhalten, Fenster runter, „Hola“! Dann fragen die Beamten dich etwas auf Spanisch oder Mallorquin, was du wahrscheinlich nicht verstehst.

Im besten Fall wiederholen sie die Frage ein bis zwei Mal, nachdem du mit „Sorry, Tourist“ geantwortet hast und lassen dich ob der Verständigungsschwierigkeiten genervt weiterfahren.

Im zweitbesten Fall spricht der kontrollierende Beamte ein paar Brocken Englisch oder gar Deutsch, die du verstehst. Gleichzeitig treffen folgende Bedingungen zu: Alle Insassen sind unbedingt angeschnallt (auch der Hund!), du telefonierst nicht gerade mit deinem Handy, du hast keinen Alkohol getrunken, die gelben Notfallwesten und zwei Warndreiecke sind griffbereit, alle Papiere sind vollzählig vorhanden, das Auto ist technisch einwandfrei – und der Beamte hat einen großzügigen Tag und findet letztlich nichts, was er dir vorwerfen kann oder möchte. Gut, weiterfahren!

Alle anderen Fälle wünschst du dir lieber nicht.

Kapitel Radsport

Bei Auotfahrern unbeliebt: Rennradler


Der blaue Pulk fährt für ein Mineralwasser, das gelbe Team für die Solarenergie AG. Die rote Truppe – ist ja auch egal. Die knalligen Trikots und Hosen sind bepflastert mit Sponsoren-Aufdrucken. Das macht was her, schindet Eindruck. Unkundige könnten meinen, dass hier reichlich Werbegelder für die großformatigen Firmen-Logos und Schriftzüge auf der Kleidung gezahlt werden – für Profi-Sportler eben. Das Gegenteil ist der Fall. Die Radler zahlen für ihr Papageien-Outfit ordentliches Geld in ihren Radsportgeschäften und präsentieren so noch kostenlos Reklame. Entlarvend sind dann kleinere Vereinsaufdrucke wie etwa RRR – Rollator-Riege Rüdesheim. Vollends peinlich wird der Auftritt, wenn die Sportler aus dem Sattel steigen und ihre Montur in voller Schönheit zeigen.

Das hautenge und windschlüpfige Hemdchen mit der Rückentasche zeigt vorne entweder Sixpack oder Bauchspeck. Unten herum verstärken Silikoneinlagen den maskulinen Auftritt. Helm, Handschuhe, Sonnenbrille in der linken, das Bike in der rechten Hand geht’s dann zur Verschnaufpause auf die nächste Sonnenterrasse. Mit lautem „Klack, klack, klack …“ der Noppenschuhe betreten sie die Bühne. Gezielt findet der bunte Haufen drei, vier leere Tische inmitten der übrigen Gäste. Die Tische werden zusammen gerückt, Stühle von überall gesammelt - betont erschöpft lässt man sich in großer Runde nieder, das Bike so nah wie möglich nebendran. Wasser, Schorle oder Cola und Toilettenbesuch – der Wirt freut sich später über den Wahnsinns-Umsatz, die geforderten Einzelabrechnungen und räumt das hinterlassene Möbel-Chaos wieder auf. Schön war’s, schön bunt! Da haben alle Miturlauber weitaus mehr Verständnis für die gemütlichen Wander-Radfahrer, die unauffällig und stressfrei – auch für andere Verkehrsteilnehmer - die Insel erkunden.